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Prager Motive in Fotos und Poesie

D0 | 16.11.17 | 19:00 UHR | MUSIKSAAL

Ein Ensemble aus künstlerischen Schwarz-Weiß-Fotografien von Stanislav Tůma und Gedichten von Maria Hammerich-Maier sind von 16. November bis zum 17. Dezember im Oberen Konventgang des Klosters Speinshart sonntags von 13.30 bis 17 Uhr zu bewundern. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 16. November mit einer Lesung von Maria Hammerich-Maier eröffnet. Die Autorin trägt dabei eine Auswahl ihrer Prager Lyrik und zeigt dazu Projektionen von Fotografien Stanislav Tůmas.

Zehn Jahre lang lebte die Lyrikerin Maria Hammerich-Maier berufsbedingt in Prag. Immer wieder bewegte sie das reizvolle architektonisch-topographische Ensemble der Hauptstadt an der Moldau, die historischen Viertel auf langen Spaziergängen zu durchstreifen und über die Menschen und das Leben Prags nachzusinnen. Eine Auswahl der rund hundert Prager Gedichte, die dabei entstanden sind, erschien 2004 mit dem Band „Prager Motive in Fotos und Poesie“ in einem Arrangement aus Bild und Wort, denn in den künstlerischen Schwarz-Weiß-Fotografien des Fotografen Stanislav Tůma fand die Autorin eine vollkommene Entsprechung ihrer Wahrnehmungsweise. Noch zu Lebzeiten Stanislav Tůmas († 2005) entwarfen die Lyrikerin und der Fotograf aus ihren jeweiligen Prager Fotografien und Gedichten die erste gemeinsame Ausstellung. Dank der langjährigen Freundschaft mit der Witwe des Fotografen, Jiřina Borkovcová, konnte die auf hochwertigen, autorisierten Drucken beruhende Ausstellung seither mehrfach mit wechselnden Entwürfen gezeigt werden.

Stanislav Tůma wurde 1950 in Eger geboren und verstarb 2005 in Prag. In den 1970er Jahren fotografierte der Autodidakt, der ausschließlich Schwarz-Weiß-Aufnahmen in analoger Technik anfertigte und seine Fotos stets mit höchsten künstlerischen Qualitätsansprüchen selbst entwickelte, vorwiegend die tschechoslowakische Musikszene, das Theaterleben und Bauobjekte.
1980 emigrierte Stanislav Tůma in den Westen, wo er zunächst in Stockholm und später in Amsterdam lebte. Selbstständige Werkausstellungen von ihm wurden unter anderem in Amsterdam, Kopenhagen und Oslo gezeigt. Anfang der 1990er Jahre kehrte Stanislav Tůma nach Prag zurück.
Fortan fotografierte Stanislav Tůma vor allem sein Wohnviertel, die Prager Kleinseite und den Hradschin, wobei er sein Werk auf die Genres Stillleben, Akt- und Porträtfotografie ausweitete. Selbstständige Ausstellungen der Bilder von Stanislav Tůma wurden unter anderem in der Prager Galerie Mánes, im Altstädter Rathaus und im Museum der Hauptstadt Prag gezeigt. Der umfassende Bildband „Suburbium Pragense“ wurde 1997 als „Fotopublikation des Jahres“ ausgezeichnet, der Lyrikband „Prager Motive in Fotos und Poesie“ erhielt 2004 auf der Internationalen Prager Buchmesse das Prädikat „Beste Publikation mit Fotos und Texten“. Werkschauen Stanislav Tůmas gab es in dieser zweiten Schaffensperiode unter anderem in Stockholm, Berlin, Budapest, Moskau, Warschau und Sofia, sowie postum in Prag und Wien.

Maria Hammerich-Maier wurde in Korneuburg, Niederösterreich, geboren. Nach dem Studium der Slawistik unterrichtete sie an der Universität Wien Tschechisch, bevor sie 1990 als Hochschullehrerin an die TU Prag wechselte. Von 1995 bis 2000 leitete sie die Prager Geschäftsführung eines staatlichen Förderfonds für Hochschulkooperationen zwischen Österreich und Tschechien. Nach der Heirat mit Dr. Edwin Hammerich im Jahr 2000 zog sie nach Oberfranken, wo sie seither als freiberufliche Übersetzerin, Journalistin und Autorin wirkt. Ihre erste selbstständige Buchübersetzung aus dem Tschechischen war „Wo sich Kulturen begegnen – die Geschichte der tschechoslowakischen Juden“ (1992). Es folgten unter anderem die „Egerer Theatergeschichte“ (2011) und Ivan Klímas Romandebüt „Stunde der Stille“ (2012). Als freiberufliche Mitarbeiterin des Tschechischen Rundfunks gestaltete die Autorin neben zahlreichen Kulturberichten mehrere abendfüllende Sendungen, darunter über die Familie des Philosophen Ludwig Wittgenstein und über Bertha von Suttner. Das Hörfunk-Dokudrama „Die Freiheit ist anderswo“ rief eine spektakuläre Zugentführung durch tschechoslowakische Flüchtlinge im Jahr 1951 erneut in Erinnerung. Ein Erzählband der Autorin, dessen Geschichten in Böhmen spielen (2012), und der von der Ästhetik Peter Huchels beeinflusste Lyrikband „Das Wolkenband, ein weißes Knebeltuch“ (2016) erschienen unter dem Pseudonym Ria Airam. Nachdichtungen der frühen Lyrik Bohumil Hrabals von Maria Hammerich-Maier enthält der zweisprachige Band „Das verlorene Gässchen – Ztracená ulička“ (2016).